Veränderungen und Abschiede prägen unser Leben: Beruf, Pensionierung, Partnerverlust, Übersiedlung – im Alter oft in eine Pflegeeinrichtung. Lebensübergänge sind bewegte Zeiten, bringen Spannung und Herausforderung, manchmal Stillstand und Angst – auch in der Begegnung mit Betreuungspersonen. Zu diesem Thema referierten beim „Haus der Barmherzigkeit FachFORUM“ u.a. Weihbischof DDr. Helmut Krätzl (Erzdiözese Wien), Univ.-Prof. Dr. Anton Amann (Universität Wien), Pfarrer Dr. Karl Engelmann (Pfarre Hernals), Mag. Claudia Oppenauer (Universität Wien), Univ.-Prof. Dr. Rosa Diketmüller (Universität Wien) und Dr. Mag. Doris Bach (Haus der Barmherzigkeit). Wie diese oft schwierigen Lebensübergänge trotzdem mit Sinn und Bedeutung gefüllt werden können, interessierte die rund 150 BesucherInnen.
Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger, Institutsdirektor und Ärztlicher Leiter des Haus der Barmherzigkeit, brachte das gesellschaftliche Problem auf den Punkt: „Viele Menschen verlieren mit zunehmendem Alter die Hoffnung auf Freude und Glück. Anders als in der Jugend rechnen sie im Alter nicht mehr mit einer aussichtsreichen Zukunft. Was können wir als Pflegeeinrichtung tun, um diese Menschen in einer schwierigen Phase ihres Lebens zu unterstützen und bei ihrem oft auch letzten Lebensübergang zu begleiten?“. Dazu sei es laut Univ.-Prof. Dr. Anton Amann wichtig, sich erst einmal über die Altersbilder - also der Bilder vom Alter in unseren Köpfen - bewusst zu werden. „Sie bestimmen unsere Wahrnehmungen und leiten unser Handeln“ so der Soziologe von der Universität Wien.
"Ja“ zum neuen Lebensabschnitt
Weihbischof DDr. Helmut Krätzl sieht die Chance des Alterns darin bewusst „Ja“ zum neuen Lebensabschnitt zu sagen und Freude an Tätigkeiten – nun aber ohne Erfolgszwang – zu empfinden. Dazu gehört auch die vorhandene Zeit neu schätzen zu lernen und den Augenblick zu genießen. Das Gefühl noch gebraucht zu werden, hält er dabei für viele ältere auch pflegebedürftige Menschen für ganz besonders wichtig. Vielen fällt es nach der Zeit des „Gebens“ schwer auch Hilfe anzunehmen und sich „dankbar pflegen und bedienen zu lassen“. Lebensübergänge sind immer auch Zeiten der Trauer und des Loslassens. Erst dadurch sieht Pfarrer Dr. Karl Engelmann in jedem Lebensübergang auch Zeiten des Suchens und der großen Chance des Neu-Findens. Bleibt für ihn doch das Leben eine ständige Entwicklung bis in den Tod „und erst dort findet die größte Entwicklung statt.“ Gravierende Veränderungen im Leben wie z.B. durch eine Pensionierung können aber auch Verunsicherungen auslösen. 10 bis 30 % der Bevölkerung haben Probleme mit dem Ruhestand, ist unsere Leistungsfähigkeit doch stark an den Beruf gekoppelt, so Mag. Claudia Oppenauer. Die Klinische und Gesundheitspsychologin am Institut für Psychologie der Universität Wien zeigte in ihrem Vortrag verschiedene Möglichkeiten auf sich mit dem neuen Lebensabschnitt bewusst auseinanderzusetzen.
Gerade in Lebensübergängen und im höheren Lebensalter wird der Umgang mit körperlichen Einschränkungen zu einem wichtigen Lebensthema. „Während sich die einen aus Altersgründen zurückziehen, sehen andere in der Bewegung eine Chance“ weiß Univ.-Prof. Dr. Rosa Diketmüller, von der Abt. Bewegungs- und Sportpädagogik der Universität Wien. Sie veranschaulichte wie über Bewegung, Spiel und Sport vielfältige Bildungsprozesse in Gang gesetzt werden und der Lebensalltag alter Menschen bereichert werden kann.
Loslassen zur rechten Zeit
„Loslassen zur rechten Zeit“ sieht Mag. Dr. Doris Bach, Klinische und Gesundheitspsychologin im Haus der Barmherzigkeit, als die wahre Herausforderung des Alterns: „Lernen wir im Leben doch alles, nur nicht in Pension zu gehen.“ Dabei, so Bach, ist Altern nicht nur ein rein biologischer Prozess, sondern durch das eigene Verhalten mit beeinflussbar. Wichtig ist die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen. „Unsere Gesellschaft versucht jung alt zu werden, und übersieht dabei wichtige Phasen und tabuisiert das „Schreckliche“ wie Behinderung, Krankheit, Langzeitpflegeeinrichtung und den Tod“ so die Psychologin. Wichtig sei es vor allem, sich rechtzeitig auf die verschiedenen Lebensphasen einzustellen und vergangene abzuschließen, um sich Neuem hingeben zu können.

