FachFORUM: "Interdisziplinäre Langzeitbetreuung"
Seit seiner Gründung vor 135 Jahren setzt sich das Haus der Barmherzigkeit (HB) mit neuen Entwicklungen auseinander. Über aktuelle und zukunftsweisende Konzepte im Bereich der interdisziplinären Langzeitbetreuung referierten ExpertInnen des HB und anderer führender Pflegeeinrichtungen beim heurigen FachFORUM: Prim. Dr. Gerald Ohrenberger (Ãrztlicher Leiter HB), Mag. Astrid Semeliker-Lang (Pflegedienstleitung HB), Ing. Gerald Stohlmann (Verwaltungsdirektor HB), Mag. Gabriele Hetzmannseder (Stv. Geschäftsführerin HABIT), DGKS Elisabeth Pohl (Fachbereichsleiterin HABIT), Andrea Richter (akad. Healthcaremanagerin, CASA), DGKS Elisabeth Bauer (Dozentin für Mäeutik), Mag. Sabine Kloibmüller (Caritas Socialis). Rund 150 BesucherInnen interessierten sich für die Zukunft der Pflege.
Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger, Institutsdirektor und Ärztlicher Leiter des Haus der Barmherzigkeit, brachte in seiner Begrüßung das Herzensanliegen des HB vor: "Als hochspezialisierte Pflegeeinrichtung ist es unser Ziel die Hoffnung auf Glück für unsere Patientinnen - trotz Alter, Krankheit und Behinderung - aufrecht zu erhalten". Die HB-ExpertInnen erläuterten interdisziplinäre Langzeitbetreuung und gleichzeitige Orientierung an den PatientInnen in der Praxis. Prim. Dr. Gerald Ohrenberger: "Je länger der Krankenhausaufenthalt älterer Menschen mit chronischen Gebrechen dauert, desto mehr tendiert die Lebensqualität gegen null. Genau hier setzen wir mit Pflegeheimen und besonders mit Pflegekrankenhäusern an: Wir bieten Pflege, Medizin und Therapie sowie größtmögliche Selbstbestimmung im Alltag." Astrid Semeliker-Lang stellte anschließend das HB-Projekt "Arbeitsorganisation und Organisationsanalyse" vor: "Wir wollen unter anderem durch eine Analyse der Arbeitsorganisation der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen herausfinden, wie sich diese auf die Lebensqualität unserer Bewohnerinnen und Bewohner auswirkt." Das dadurch entstandene Modell wird derzeit auf zwei Pilotstationen getestet.
Selbstbestimmung und Zufriedenheit als Ziel
Gerald Stohlmann erläuterte weitere Instrumente zur BewohnerInnen-Zufriedenheit im HB: So wird eine jährliche Befragung aller PatientInnen durchgeführt. Um eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, wurden die Aufenthaltsräume und Terrassen neu gestaltet: das HB organisiert außerdem Ausflüge und Feste für BewohnerInnen. Stohlmann ging auch auf die Bauprojekte des HB ein: So ist ein "Generationencampus" mit einer Pflegeeinrichtung, Fachhochschul-Studiengängen und Schulen in Währing geplant. Stohlmann: "Der Umzug in ein neues Gebäude bedeutete in der Vergangenheit für viele unserer Patienten und Patientinnen leben und erleben." Mag. Gabriele Hetzmannseder ging anschließend auf integrative Konzepte des Haus der Barmherzigkeit Integrationsteam (HABIT) ein: "Wenn neue Klienten und Klientinnen mit schweren Behinderungen zu uns in eine Wohngemeinschaft kommen, heißt es oft: `Der oder die kann wirklich gar nichts.` Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass das nie stimmt." Mit Hilfe Basaler Stimulation und unterstützender Kommunikation gelingt es dem multiprofessionellen HABIT-Team mit schwer behinderten Menschen in Kontakt zu treten. DGKS Elisabeth Pohl erläuterte die Methoden: "Es gibt die Möglichkeit über Gebärdensprache, Symbole oder per Sprachausgabe-Gerät, ja sogar über die Kontrolle der Atmung zu kommunizieren." Auch für HABIT-MitarbeiterInnen ist die größtmögliche Selbstbestimmung von KlientInnen wichtig. Mit einem Personalschlüssel von 1:1 werden in derzeit 14 Wohngemeinschaften 144 KlientInnen und vier Basalen Tageszentren 120 Menschen betreut.
Neues Betreuungs-Modell der Hausgemeinschaften
Andrea Richter, akademische Healthcaremanagerin CASA, erläuterte das neue Heimkomzept des Hausgemeinschaftenmodells, das bereits in zwei Einrichtungen der gemeinnützigen Gesellschaft umgesetzt wurde. Richter: "Die pflegebedürftigen Menschen leben nicht mehr in großen Stationen, sondern in jeder Hausgemeinschaft verbringen jeweils 13-14 Bewohner und Bewohnerinnen ihren Alltag gemeinsam. Mit dieser Art des Zusammenlebens haben wir bisher sehr positive Erfahrungen gemacht." Auch das Haus der Barmherzigkeit wird dieses Modell in einem neuen Pflegeheim in Poysdorf (NÖ) umsetzen. DGKS Elisabeth Bauer ging anschließend auf Mäeutik in der Pflege ein: "Es geht nicht nur um die Gefühle und das Wohlbefinden von Patienten und Patientinnen, sondern auch der Pflegenden. So können schwierige Lebensübergänge im Alter sowie der damit einhergehende Verlust von unterschiedlichen Fähigkeiten gut bewältigt werden." Auch in Tageszentren der Caritas Socialis sollen ältere, chronisch kranke Menschen tagsüber Einbindung in eine soziale Gemeinschaft mit reichhaltigem Aktivierungs- und Therapieprogramm erhalten. Mag. Sabine Kloibmüller: "Unser größter Erfolg ist es, wenn wir sehen, dass sich jemand nach einigen Besuchen bei uns wohlfühlt und Selbstvertrauen zurückgewinnt."
Dir. Dr. Roland Paukner (Wiener Krankenanstaltenverbund), DGKS Eva Mutz-Amon (Pflegedirektorin HB), Dr. Walter Schaffranek (Jugend am Werk), Wolfgang Waldmüller (Geschäftsführer HABIT), Mag. Judith Hackl (Kuratorium Wiener Pensionistenhäuser) und Mag. Florian Pressl (Geschäftsführer Pflegeheime HB) führten Vorsitz bei den einzelnen Programmblöcken. Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Haus der Barmherzigkeit) nahm die Begrüßung vor.
Die Präsentationen der ReferentInnen können sie hier herunterladen:
Themenblock "Lebensqualität"
- Prim. Dr. Gerald Ohrenberger (HB): „Kontinuität ärztlicher Betreuung"
- Mag. Astrid Semeliker-Lang (HB): „Organisationsanalyse: Arbeitsverteilung und Tätigkeit der verschiedenen Berufsgruppen im stationären Bereich"
- Ing. Gerald Stohlmann, MBA (HB): „Leben ist Erleben"
Themenblock "Integration"
- Mag. Gabriele Hetzmannseder (HB): „Integrative Konzepte für Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen – HABIT" ....und
Themenblock "Neue Konzepte"
- Andrea Richter (akad. Healthceremanagerin, CASA): "Leben in Hausgemeinschaften - Erfahrungen aus der Praxis"
- DGKS Elisabeth Bauer (Dozentin für Mäeutik): „Mäeutik- erlebnisorientierte Pflege erlebbar gemacht!"
- Mag. Sabine Kloibmüller (Caritas Sozialis): „Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz"
Fotos von der Veranstaltung können sie sich hier ansehen:
Fotos FachFORUM "Interdisziplinäre Langzeitbetreuung" 26. April 2010 (Fotograf: Ian Ehm)
Begrüßung , Vortrag Organisationsanalyse, Vorsitz Fr. Dir. Mutz-Amon und Hr. Dir. Paukner , Vorsitz Hr. Dr. Schaffraneck und Hr. Waldmüller, TeilnehmerInnen 1, TeilnehmerInnen 2

